Äthiopien
Land der Vielfalt und Wiege der Menschheit
Äthiopien ist ein faszinierendes Land mit einer wundervollen Landschaft, mit wundervollen Menschen und einer wundervollen Kultur, das sich im Herzen Ostafrikas befindet. Es ist ein Land der Gegensätze: bekannt als Wiege der Menschheit.
Äthiopien geographisch:
Die "Demokratische Bundesrepublik Äthiopien" ist mit 132 Millionen Mio. Einwohnern das zehntgrößte Land Afrikas.
Es befindet sich im Nordosten des Kontinents und ist in seiner Gesamtfläche dreimal so groß wie Deutschland.
Umgeben ist Äthiopien vom Sudan, Somalia, Kenia, Djibouti und Eritrea.
Äthiopien hat seit Dezember 1994 eine Verfassung, die viele Ähnlichkeiten zum deutschen Grundgesetz aufweist.
Es gibt 12 Regionen (vergleichbar unserer Bundesländer); dazu 2 regionalunabhängige Städte (Addis Abeba und Dire Dawa).
Die Flächenhauptstadt Addis Abeba erstreckt sich über 250 km² und hat ca. 3-5 Mio. Einwohner.
Die Einwohnerzahl von Addis Abeba beträgt rund 5,7 Millionen, die Einwohnerzahl von Tigray (die Region, in der wir arbeiten) beträgt 6-7 Millionen.
Äthiopien in einem kurzen Abriss
Die Geschichte des Landes verlief nicht einfach und hat bis 2022 kriegerische Auseinandersetzungen erlebt. Bis heute ist die Grenze zu Eritrea geschlossen.
Äthiopien wird auch das „Dach Afrikas“ genannt, weil etwa die Hälfte des Landes 1.200 m und ein Viertel sogar 2.000 m über dem Meeresspiegel liegt. Der Ras Dashen Terara ist mit 4.620 m die höchste Erhebung des Landes.

Bildquelle: Wikipedia
Dabei ist die Landschaft sehr facettenreich. Diese reichen von tiefen Tälern, die das große Land zerteilen über Hochgebirge mit alpiner Flora und Fauna bis hin zur Savanne mit Giraffen und Elefanten. Für uns Europäer kaum vorstellbar, aber auch tropische Urwälder und öde Salzsteppen findet man hier.
Es gibt Wetterzonen, die sich vor allem in den Höhenlagen unterscheiden:
- die tropisch-heiße Zone in Gebieten mit einer Höhenlage von bis zu 1.800 m. Hier herrscht eine Durchschnittstemperatur von 27°, in einigen Regionen kann
- die Temperatur sogar auf 60° ansteigen; die jährliche Regenmenge liegt unter 500 mm.
- die warm-gemäßigte Zone in Gebieten mit einer Höhenlage von 1.800 – 2.500 m. Hier herrscht eine Durchschnittstemperatur von ca. 22° bei einer jährlichen Regenmenge von 500 – 1.500 mm.
- das Berggebiet in über 2.500 m Höhe. Hier herrscht eine Durchschnittstemperatur von 16° und es fallen jährlich 1.800 mm Regen.
Es gibt eine Hauptregenzeit, diese liegt zwischen Mitte Juni und September und eine kleine Regenzeit zwischen Februar und März.
Im nördlichen Teil fällt der Regen jedoch unregelmäßig, was zu verheerenden Dürrekatastrophen führen kann. Hierzu gehört auch die Region Tigray, in der unter anderem die Stadt Aksum liegt. Schätzungsweise die Hälfte der Äthiopier ist unterernährt, so dass auch in guten Erntejahren Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen sind. Ursachen hierfür sind neben den auftretenden Dürren auch Überschwemmungen, was eine Hilfe aus dem Ausland notwendig macht.

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Erschwerend kommt hinzu, dass durch die unzureichende Infrastruktur ein Austausch landwirtschaftlicher Güter sehr erschwert ist. Die Haupt-Exportwaren des Landes sind Kaffee, Tee und Ölsaaten. Deutschland ist mit ca. 30% Hauptabnehmer des Kaffeeexports.
Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 660 US-Dollar (2024) zählt Äthiopien selbst im afrikanischen Vergleich zu den ärmsten Ländern und laut Human Development Indes (HDI) der Vereinten Nationen Platz 173 (von insgesamt 186)
Offiziell gilt in Äthiopien eine Schulpflicht; sie wird jedoch nicht konsequent durchgesetzt. Viele Kinder müssen, vor allem Mädchen in ländlichen Gegenden, in der elterlichen Landwirtschaft oder im Haushalt helfen, so dass hierdurch der Besuch einer Schule oftmals nicht möglich ist. Das hat zur Folge, dass in Äthiopien in etwa 64% Analphabeten leben, darunter 54% Männer und 75% Frauen.
Auch interessant – in Äthiopien gilt ein anderer Kalender:
In Äthiopien gilt der julianische Kalender, wodurch die Jahreszahl sieben bzw. acht Jahre hinter unserer Zeitrechnung nach dem gregorianischen Kalender liegt. Die Frage, ob es 7 oder 8 Jahre sind, hängt dabei vom Datum ab, da das äthiopische Jahr am 11.09. beginnt. Das ist auch der Grund dafür, dass die Millenniumsfeier in Äthiopien erst am 11.09.2007 stattfand!
Auch bei den Monaten gibt es in Äthiopien eine Besonderheit. Hier gibt es zwölf Monate mit einer Dauer von jeweils 30 Tagen. Darüber hinaus einen dreizehnten Monat mit 5 bzw. 6 Tagen, was davon abhängt, ob es sich um ein Schaltjahr handelt. Deshalb kann Äthiopien mit 13 Monaten Sonne werben.
Auszug der Feiertage in Äthiopien:
07. Januar: Genna (Weihnachten)
19. Januar: Timkat (Taufe Christi)
01. Mai: Tag der Arbeit
11. September: äthiopisches Neujahr
April/Mai: Karfreitag und Ostern
(Quellen: Wikipedia, Seiten des BMZ und „Äthiopien – Handbuch für individuelles Entdecken“ von Katrin Hildemann und Martin Fitzenreiter)
Aksum
und sein Umland
Aksum (weitere Schreibweisen Axum und Akhsum)
Aksum liegt in der nördlichen Region Tigray und ist ca. 50 km von Eritrea und ca. 1.005 km von Adis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens entfernt. Die Stadt am ca. 1 km breiten Ausgang des Tals zwischen den beiden bis zu 2.300 m über dem Meeresspiegel gelegenen Hügeln Beta Giyorgis und Mai Qoho nimmt ca. 1,5 km² Fläche ein. Hier leben aktuell ca. 100.000 Menschen einschl. seiner rund 25.000 Binnenvertreiebenen.
Politisch betrachtet ist Aksum eine kleine Distrikthauptstadt, die 1980 aufgrund ihrer historischen Ruinen und herausragenden Geschichte in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde.
Die Stadt selbst hat sich parallel zur Herausbildung der axumitischen Kultur entwickelt. Sie wurde in Ihrer langen Geschichte mehrmals in kriegerischen Auseinandersetzungen stark beschädigt und teilweise zerstört. Wahrscheinlich lässt sich das Wort Aksum selbst als „Wasser/Brunnen des Fürsten“ übersetzen.
Es ist nicht belegt, wann Aksum zur Hauptstadt des axumitischen Reiches wurde. In einem griechischen Text im ersten Jahrhundert nach Christus wird Aksum erstmalig erwähnt (im Periplus Maris Erythraei, einem Handbuch für Seefahrer des roten Meeres).
Die Monumente dieser Stadt, ganz besonders die Stelen, sind Sinnbilder Jahrtausende alter Kultur.
Gerade der Stelenpark der Stadt ist ein Wahrzeichen. Die Stelen sind bis heute erhaltene Teile von Grabbauten. Die beeindruckendste der Stelen ist einer der größten bearbeiteten Monolithen der Welt, der am Boden liegt und ursprünglich 33,50 m hoch war und rund 520 Tonnen wiegt. Es wird vermutet, dass diese Stele niemals aufgerichtet werden konnte, sondern beim Aufstellen zerbrach.
Für die äthiopisch-orthodoxen Christen mit ihrem speziellen, unabhängigen Glauben ist Axum vergleichbar mit Rom. Das größte Heiligtum Äthiopiens befindet sich in der Kathedrale. Dabei handelt es sich um die heilige Bundeslade mit den Tafeln der 10 Gebote, die Gott an Moses gesandt hat. Sie soll laut Legende der Kebra Nagast, der äthiopischen Königschronik, aus dem Tempel von Jerusalem gestohlen worden sein. Ein Mönch ist noch heute mit dem lebenslangen Amt der Bewachung der Bundeslade beauftragt. Diese Aufgabe übernimmt noch vor seinem Tode ein Nachfolger.
Aksum heute:
Heute ist Aksum eine Stadt, die im Laufe der letzten Jahre generell gewachsen ist. So finden sich neben vielen traditionellen Gebäuden inzwischen auch moderne und Bauten aus Stein. Die Steine werden aus den Bergen der Umgebung für den Bau gebrochen. Viele Teile der Stadt bestehen aber nach wie vor aus Lehmbauten und die Bewohner leben in sehr armen Verhältnissen. Trotz der teilweise herrschenden großen Armut haben die Stadt auch Hotelketten und Souvenirshops erreicht. Darüber hinaus gibt es auch einen kleinen Flughafen für Inlandsflüge. Weitere Verkehrsmittel sind Busse und Sammeltaxen. Der Tourismus bietet Einnahmen für die Stadt und kleine Händler. Für die Bewohner selbst sind diese touristischen Aktivitäten allerdings weit von Ihrem persönlichen Lebensstandard und oft recht mühevollen Alltag entfernt.
Eine wirklich große Errungenschaft aus jüngster Zeit ist die Versorgung mit sauberem Trinkwasser im Stadtgebiet. Der überwiegende Teil der Einwohner kommt in diesen Genuss. Allerdings ist genau wie bei der Stromversorgung keine durchgehende Bereitstellung von Trinkwasser gewährleistet und so es kommt immer wieder zu unerwarteten Versorgungsstörungen.
Durch den Krieg von 2020 bis 2022 ist die Haupteinnahmequelle (der Tourismus) komplett eingebrochen. Ohne Industrie wird den Menschen die Haupteinnahmequelle genommen: der Tourismus – das merkt man heute an jeder Ecke – die Zahl der stark Bedürftigen hat massiv zugenommen.
Fragen zu Äthiopien und Aksum?
Fragen zu Äthiopien und Aksum? Hier beantworten wir häufig gestellte Fragen und liefern Ihnen die wichtigsten Hintergrundinformationen zur Region sowie zur transparenten Arbeit des Hawelti e.V. vor Ort.
Ist Äthiopien ein sicheres Reiseland und ist der Tourismus in Aksum wieder möglich?
Wie viele Regionen in Ostafrika war Äthiopien in den letzten Jahren von politischen Spannungen betroffen. Während große Teile des Landes stabil sind, ist die Lage, besonders in der Region Tigray (Aksum), als Folge des Konflikts komplex. Der Tourismus in Aksum wurde stark beeinträchtigt. Wir empfehlen, vor einer Reise stets die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes zu prüfen. Unsere Vereinsarbeit erfolgt in enger Abstimmung mit unseren lokalen Partnern vor Ort.
Was ist die besondere Rolle der Stadt Aksum in der äthiopischen Kultur und Religion?
Aksum ist das geistliche Zentrum der äthiopisch-orthodoxen Kirche. Die Stadt ist weltweit bekannt, weil hier in der Kirche St. Maria von Zion die Bundeslade aufbewahrt werden soll. Zudem ist Aksum die Heimat der monumentalen, bis zu 24 Meter hohen Stelen, die das Erbe des antiken Aksumitischen Reiches darstellen und zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören.
In welcher Sprache kommuniziert der Hawelti e.V. vor Ort und wie stellen Sie sicher, dass die Hilfe ankommt?
In Äthiopien werden zahlreiche Sprachen gesprochen. Die offizielle Landessprache ist Amharisch. In der Region Tigray (einschl. Aksum, wo wir vor allem aktiv sind) spricht man Tigrinya. Diese Sprache spicht unser zweite Vorsitzende, sodass eine Kommunikation mit allen lokalen Ansprechpartnern gesichert ist. Die transparente Kommunikation ist durch persönliche Besuche und die enge Abstimmung mit allen Stellen vor Ort gesichert.
Welche Währung wird in Äthiopien verwendet und wie beeinflusst die Inflation Ihre Projekte?
Die Landeswährung ist der Äthiopische Birr (ETB). Äthiopien kämpft seit Jahren mit einer hohen Inflation. Dies stellt eine große Herausforderung für unsere Projekte dar, da die Kosten für Baumaterialien, Lebensmittel und lokale Arbeitskräfte stark ansteigen. Wir sind daher auf Spenden angewiesen, die diese unvorhergesehenen Preissteigerungen ausgleichen.
Was ist der Unterschied zwischen unserem Projekt "Hilfe zur Selbsthilfe" und reiner Nothilfe?
Während Nothilfe (Soforthilfe in Tigray) kurzfristig Leben rettet (Nahrung, Medizin), zielt "Hilfe zur Selbsthilfe" auf nachhaltige Strukturen ab. Wir investieren in Bildung, Infrastruktur und die Ausbildung von Frauen, damit die Menschen langfristig unabhängig von Spenden werden und ihre Existenz selbst sichern können.
Wie kann ich den Hawelti e.V. unterstützen, wenn ich kein Geld spenden kann?
Auch ohne Geldspenden gibt es viele Möglichkeiten: Sie können uns bei regionalen Events in Nürnberg (z.B. der Kaffeezeremonie) ehrenamtlich unterstützen, einen unserer Spendendinos aufstellen, uns bei der Verbreitung unserer Nachrichten in sozialen Medien helfen oder Sachspenden für unsere Flohmärkte organisieren.